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Tamtam

Kurzgeschichte von Heiko Freitag

 

Zwei kleine Federn war ein Krieger. Er hielt sich für einen guten. Die anderen Krieger des Stammes der Mocka waren der Meinung, er wäre zu jung für einen Krieger. Aber der Schamane war nach einer Vision fest der Überzeugung, daß zwei kleine Federn nun soweit war, in die Stammesgeheimnisse eingeweiht zu werden. Der Stamm der Mocka hatte tatsächlich ein Geheimnis, denn wie sonst hätten sie die weißen Siedler und Soldaten überleben können.

Sie waren die einzigen Indianer, die immer noch –auch heute - in ihrem eigenem Land lebten und keinem Massaker zum Opfer gefallen waren. Viele waren gekommen, um ihnen ihr Land und Leben zu nehmen. Doch alle, die gekommen waren, sind auch wieder gegangen, ohne Land; jedoch mit einem Lächeln im Gesicht. Niemals war ein Schuß gefallen und oder das Kriegsbeil ausgegraben worden. Letzteres war auch schwer möglich, denn weißer Adler hatte vergessen, wo er es vergraben hatte. Es störte wirklich niemanden.

Dann kamen die Soldaten, um sie in ein Reservat zu führen. Doch nachdem die Soldaten zwei Tage bei den Mocka verbracht hatten, ließen sie die Umsiedlungspläne fallen. Sie hatten festgestellt, was für ausgesprochene nette und verständnisvolle Menschen die Mocka waren, denen es so schlecht geht, daß sie einfach nicht umgesiedelt werden könnten. Doch warum war das so?

Die Mocka waren äußerst freundliche Menschen. Jeder Gast mußte mit ihnen eine Pfeife rauchen. Zur Begrüßung war das einfach Pflicht. Während des gesamten Besuchs wurde jedem mehrfach eine Pfeife und zu besonderen Festlichkeiten auch die heilige Wasserpfeife des Stammes gereicht. Die meisten Besucher konnten soviel Freundlichkeit von den Eingeborenen gar nicht fassen. Um so erstaunter waren sie, wie lustig hier alles war. Viele der Besucher verspürten sehr schnell tiefe Müdigkeit und waren am nächsten Morgen überrascht, daß sie noch am Leben waren. Sie lagen in einem großem Raum mit anderen zusammen, sie waren zugedeckt worden und es war angenehm warm.

Nach dem ersten Mahl des Tages war es ein hiesiger Brauch, die Pfeifen wieder herum gehen zu lassen. Bevor weißer Adler einen Fremden empfing, mußte derjenige zwei Tage am Stammesleben teilnehmen. Das fiel den Menschen leicht, denn der Ruf der Mocka, hervorragende Gastgeber zu sein, eilte ihnen voraus. So ließen sie sich gerne zwei Tage lang bewirten. Zwei Tage lang wurde aber auch immer wieder die Friedenspfeife geraucht.

Am Abend des zweiten Tages empfing dann weißer Adler, der Häuptling der Mocka, die Besucher. Nach der offiziellen Empfangszeremonie, die wiederum auch aus dem Rauchen eine sehr großen Wasserpfeife bestand, führte er die Besucher in dem Lager der Mocka herum. Er zeigte ihnen die Zelte und die paar Tiere, die sie besaßen. Sie gingen durch die Felder mit Pflanzen, die die Besucher noch nicht gesehen hatten. Die Pflanzen hatten größtenteils fünfgliedrige, gezackte Blätter.

Der Häuptling erklärte den Besuchern, daß dieses und einige Pilzarten, die einzigen Pflanzen waren, die hier wuchsen. In den nahen Bergen, die aus Granit bestanden, konnten sich die Besucher davon überzeugen, daß es hier keine Edelmetalle gab.

Es gab nichts, was es rechtfertigen würde, die Mocka umzusiedeln. Das sahen auch die Besucher ein und zogen unverrichteter Dinge von dannen. Doch sie mußten jedes mal von neuem überzeugt werden.

© by Heiko Freitag

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05.08.99