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Date

Kurzgeschichte von Annemarie Wach

"Na , Julie - hast du endlich den Richtigen gefunden ?" zog Chris mich mal wieder auf . "Ha ha - sehr witzig !" erwiderte ich und versuchte für 3 Minuten ihn sauer anzuschauen. Klappte natürlich nicht, denn sein Grinsen erweichte mich - wie gewöhnlich ... Aber ich konnte mir nichts vormachen - ich war jetzt bereits 15 (in den Augen vieler schon eine ‘Eiserne Jungfrau’) und hatte noch keinen Freund ! Das sollte sich schleunigst ändern, fand ich. Die ganze nächste Polistunde philosophierte ich vor mich hin und überlegte mir eine Angriffsstrategie. Man konnte in Stunden bei Herr Schank eh nur zwischen einschlafen oder quatschen entscheiden. Diesmal wählte ich das vor mich hin träumen... In Gedanken durchlebte ich schon all die romantischen Situationen auf meinen Romantikpostern, als ich plötzlich durch jemanden, der sich scheinbar fürs Quatschen entschieden hatte, wieder in die Realität zurückgerissen wurde: "Gib mal weiter !" "Was ?" "Gib mal an Jenny weiter !" "Ach so !" Ich schnappte mir den unförmig zusammengefalteten Zettel und wartete darauf, daß Robert sich wieder umdrehte. Ich las :

Hi Jenny !

Willst du mit mir gehen?
Ja - Vielleicht - Nein?
Antworte bitte schnell!
Dieser Brief ist geheim!
Robert

Gerade als ich den Zettel wieder zusammen knüllen wollte, drehte er sich nervös um : "Hast du den Brief schon weitergegeben ?" "Ich ich konnte noch nicht, Schank hat die ganze Zeit geguckt !" Aus meinen Augenwinkeln sah ich Schank Robert sauer fixieren, hatte aber keine Zeit mehr, ihn zu warnen ... "Spiel hier nicht wieder den Casanova , Robby !" Ich wurde knatschrot, obwohl ich mich eigentlich gar nicht angesprochen fühlte. Alles gröhlte. In diesem Chaos hatte ich endlich die Chance, den Brief nach hinten zu geben. "Hier , für dich !" Schnell wendete ich mich wieder dem ach so interessanten Unterricht zu. "Unser heutiges Thema : Aggressionen unter Jugendlichen !" Das konnte ja was werden ... "Canari - Schnabel zu !" Er meinte damit eigentlich meine Freundin Ines, die gerade ihren gelben Lieblingspulli an hatte. "Und du auch Mäuschen !" Wen er damit meinte, war unklar, da er alle Mädchen Mäuschen nannte... Gegen Ende der Stunde verkündete er, wie so oft seinen beliebtesten Spruch : "Merkt euch : Nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen wir !" Zum Glück schellte es dann und wir waren ihn los - zumindest für heute...

Nach weiteren nervigen Stunden waren wir endlich vollends erlöst - ein Schultag geschafft ! "Hast du heute eigentlich Zeit ?" fragte ich Chris, denn ich würde ihn für mein Vorhaben brauchen. "Was willst du denn machen ?" "Etwas ganz schönes - was mir hilft , meinen Traumjungen zu finden !" Sein Gesicht hellte sich auf, er grinste. "Ist OK - dann bis nachher !" verabschiedete ich mit etwas irritiert und flüchtete ins Haus. Was hatte der denn Falsches gefressen? Jungen will man verstehen ... Ich hab so die Vermutung, daß die genau das Gleiche über uns denken ... Aber ich hatte etwas vor, ich hatte es mir in den 5 Minuten ausgedacht, in denen ich ungestört vor mich hin träumen konnte: Eine Zeitungsannonce! Und Chris könnte mir ja beim Formulieren helfen... Er hätte sicher nichts dagegen - wie man sich irren konnte !?

2.

"Was - so was willst du machen ? Das das brauchst du doch gar nicht , du findest auch schon so den Richtigen !" Er versuchte ungefähr 3 Stunden energisch , mich davon abzuhalten - aber mein Dickkopf war etwas größer als seiner und so gab er nach . "OK - wenn's sein muß ? Und was hat das mit mir zu tun ?" "Du sollst mir helfen ?" "Helfen unlogischen Kram aufzuschreiben ?" So kannte ich ihn gar nicht, sonst war er immer die Ruhe in Person , aber das hier schien ihn aufzuregen ... "Du hast doch immer darüber Witze gerissen , daß ich noch keinen Freund hatte !" Er knurrte nur noch. "Also - wie fangen wir an ?" Wir brauchten 3 Tage bis wir einen von ihm akzeptierten Text verfaßt hatten.

Ich (15) suche einen netten Jungen (16-17) um mit ihm eine schöne Zeit zu verbringen !

Julie

Ich war skeptisch : "Meinst du , Jungen mögen so was ?" Mit einem scheinheiligen Lächeln erklärte er mir: "Ja - die mögen schüchterne Mädchen!" Irgendwas war faul daran, aber er schien recht zu behalten, denn 3 Tage später wurde ich mit Briefen überhäuft. Als ich ihm das freudestrahlend mitteilte, schien er aber mehr geschockt als begeistert. "Was - 15 Briefe ?!" Ich konnte es nicht fassen - er hatte immerhin die Idee gehabt... Eigentlich hätte er eher stolz sein müssen...

Wir gingen also zusammen die Briefe durch :

Hallo süße Zuckermaus !

Laß mich dein Hoppelhase sein - dann suchen wir uns einen Bau  und beschäftigen uns mit den schöneren Dingen des Lebens !

Tschüssi Dein Lorenz !

Der Brief war voll von roten Streuherzen , so daß ich später erst mal saugen mußte und bitter bereute , ihn freudig aufgerissen zu haben ... Chris saß nur noch apathisch da - es könnte ja nur besser werden , dachte ich :

Hi du sexy Girl

Laß uns zusammen abrocken - Natürlich bin ich auch für andere Sachen offen .

Ich übertrete deine Altersgrenze zwar etwas (ich bin 23) aber mir macht das nichts aus -

dir hoffentlich auch nicht . Ich muß dir aber sagen , daß ich bereits mit meiner letzten

Exfrau einen wirklich süßen 2 Jährigen Jungen habe . Aber wahrer Liebe darf nichts im

Wege stehen ! ...

OK - ich nahm es zurück - es konnte schlimmer werden ! Wir sortierten also nach ‘Für den Abfalleimer’ , ‘So naja’ , ‘Dreamboys’ . Das mit dem Abfalleimer erledigte ich sofort , die ‘Dreamboys’ las ich mir tausendmal durch . Es blieben 5 Stück über ... Chris saß nur noch auf dem Boden und schaute meine Briefe schief an . Also hier hätten wir noch den Rosenkavalier :

Wenn du deine Zeit für ein Blind Date mit mir verschwendest , könnte es  vielleicht für uns beide langfristige Folgen haben. Wenn du also Lust hast, dich mit mir (16) im ‘Iceplace’ am 17 Mai um ca. 17:00 Uhr zu treffen, erkennst du mich an der roten Rose.

Bis dann

Ciao Mike

Das hörte sich doch wirklich verlockend an - das sollte mein erster Versuch werden ! Und das schon morgen ... Ich saß nur noch verträumt da und starrte den Brief an . "Können wir jetzt endlich was anderes machen , als hier rumzusitzen und diese unheimlich interessanten Briefe zu lesen !?" Hätte ich es nicht besser gewußt , wir waren seit dem Kindergarten nur Kumpel , hätte ich ihn echt für eifersüchtig gehalten ... Er hatte heute scheinbar einfach nur seinen schlechten Tag . Ich ließ mich also erweichen , mit ihm in den Wald zu gehen und herum zu laufen . Aber er hatte ja noch was gut bei mir , nachdem er sich meine ganzen Schwärmereien reingezogen hatte . "Da könnten wir ja hoch !" Er deutete nach oben - ich würgte nur noch ein "Wirklich ?" heraus . Es handelte sich um eine alte Eiche , die nur noch an einer Wurzel zu hängen schien und aussah , als könnte der nächste Windhauch sie zu Fall bringen . "Da kannst du ja gleich von 'ner Klippe springen !" "Warum nicht ?!" Das war doch sicher nur ein Witz , aber in seinen Augen sah ich ein verrücktes entschlossenes Funkeln - wie bei einem Psychopaten ... Ich wich etwas zurück : "Ist OK - geh du vor !" Ich hatte natürlich nicht vor , jetzt schon mein Leben zu beenden , also würde ich einfach unten stehen bleiben . Er tat es wirklich ! "Aber wenn , dann sterben wir zusammen - wir sind doch Freunde , oder ?" Wenn ich jetzt unten bleiben würde , würde er mich für immer hassen , also versuchte ich erst mal , die Seelsorgerin zu spielen . "Was hast du ? Probleme in der Schule ? Zuhause ? Oder geht es um ein Mädchen ?" Er verharrte in der Bewegung und kletterte zögernd wieder runter . "Richtig geraten . Es geht um ein Mädchen !" "Aber deshalb ..." "Du wolltest doch , daß ich es dir erzähle !" "Ist OK . Fang an !" "Weißt du , da gibt es dieses Mädchen ..." Ich stöhnte und sein saurer Blick traf mich . "Und ich mag sie unheimlich , aber sie weiß es nicht !" "Warum sagst du es ihr nicht ?" "Ich glaube , sie mag mich nicht so richtig ..." Langsam tat er mir richtig leid ... "Wer kann dich denn nicht mögen ? Wer ist dieser Unmensch ?" "D-Das kann ich dir nicht sagen ! Aber viel wichtiger ist : Wie soll ich es dem Mädchen verklickern ?" "Die Wahrheit zieht fast immer !" "Toll - bringt mir viel ..." "Wir können ja zusammen überlegen , was du ihr zum Beispiel schreibst ! Liebe Unbekannte - ich muß dir sagen , daß ich dich ..." "Nein , so kann ich das nicht machen ! Das wäre voll peinlich ..." Ich gab auf : "Beeil dich bloß mit dem Klettern ..." Ich zog ihn auf den Waldweg zurück . Auf einmal war er wieder ganz normal ... irgendwas hatte der doch heute gefressen , oder ? Mit Verrückten sollte man vorsichtig umgehen ...

3.

Irgendwie überlebte ich den folgenden Tag - ich hatte ja die ganze Zeit nur das Date im Kopf - ich malte mir das Schönste aus ! "Wie merkt man eigentlich , ob jemand einen mag ?" fragte ich Chris im Bus nach Hause . Er wurde irgendwie rot - das Thema war in seiner Situation wohl etwas brenzlig : "Äh ... weißt du ... sie ... sie ..." "Sie fangen an zu stottern und werden knatschrot , wenn sie dich ansehen !" klärte mich Jenny auf . "So ist das zumindest bei Robert - und so verschieden sind Jungen auch nicht ..." Ich drehte mich wieder zu Chris um, der jedoch im Getümmel untergetaucht war. Was sollte ich bloß anziehen ? Zu Hause wühlte ich meinen ganzen Kleiderschrank durch und entschied mich letztlich (es fing langsam an , Sommer zu werden) für eine Schlagjeans und ein knappes Oberteil . "So kannst du doch nicht aus dem Haus - du wirst dir eine Erkältung holen ! Und vor allem , wo willst du denn so hin ?" "Ist schon OK - tschüss !" Und bevor sie weitere Maßnahmen einleiten konnte war ich schon aus der Haustür heraus . Ich klingelte bei Chris an . "Was willst du denn ?" "Du mußt Schmiere stehen - ich meine, so ganz alleine mit so 'nem wildfremden Typen da rumzusitzen macht schon etwas Angst." In seinen Augen spiegelte sich einerseits Stolz, aber auch Deprimiertheit wieder. Aber er stimmte zu. Er plazierte sich etwas abseits des ganzen Trubels an einem Tisch, ich blickte mich um . Nirgendwo konnte man eine Rose erkennen ...

Das war wohl ein Fehlschlag - aber da hinten war irgend etwas rotes ... Ich steuerte darauf zu - es war wirklich eine Rose - eine Plastikrose ! Einatmen , Ausatmen ... Ich setzte mich einfach auf den freien Platz ihm gegenüber . "Da kannst du dich aber nicht hinsetzten - ich warte auf jemanden !" "Du wartest auf mich !" Er musterte mich von oben bis unten - ich warf hilfesuchende Blicke Richtung Chris . "Ich hatte mir dich etwas älter vorgestellt ..." Das wurde ja immer witziger ! Wir schwiegen uns eine Viertelstunde lang an , sein Eis schmolz : "Ich glaube , du bist nicht so ganz mein Typ ..." Das brachte das Faß zum Überlaufen : "Woher willst du denn wissen , was für ein Typ ich bin ?" "Naja ..." Das brauchte ich mir jetzt aber wirklich nicht anzuhören - ich flüchtete schluchzend aus der Eisdiele . Draußen stand schon Chris - der schien gar nicht mitgenommen zu sein ... Typisch Jungen - die sollte man alle ausrotten ! Ich brauchte jetzt erst mal eine Schulter zum Ausheulen . Und Chris stand da gerade so passend in der Gegend rum - ich konnte ja einmal darüber hinweg sehen , daß er auch nur ein Junge war ... Er legte mir sogar noch den Arm auf die Schulter und führte mich irgendwohin - wohin war mir jetzt auch egal ... "Schnief ... von mir aus können wir jetzt auf diesen blöden Baum klettern - ich hab nichts dagegen !" Jetzt war er derjenige , der mich von einer Wahnsinnstat abhielt ... Im Wald stand so ganz verlassen eine Parkbank rum - wir setzten uns hin . "OK - jetzt sprich mir nach : Die Welt wird nicht untergehen ! Das war nur ein Idiot !" "Die Welt wird mit Sicherheit untergehen !" "Nein wird sie nicht !" "Wenn du das so sagst - vielleicht hält sie ja auch noch bis morgen ... wenn wir Glück haben !" "So gefällst du mir viel besser - immer positiv denkend !" Er grinste und ich mußte natürlich auch grinsen - das ist nun mal so ... Arm in Arm schlenderte wir zurück und begannen den nächsten Brief zu studieren ...

4.

Hi Du !

Ich fand deinen Brief echt süß - denn er sprach mir direkt aus der Seele . Ich bin

nämlich auch etwas schüchtern und würde dich gerne kennenlernen .

Treffpunkt : um 16:00 Uhr am 18. Mai in der Stadtbücherei .

Du findest mich in der Abenteuerecke vergraben in ‘Die Schatzinsel’ !

Peter

Also zum 2. Versuch ! Wieder schleppte ich natürlich Chris mit , sozusagen als Tröster ... man konnte ja nie wissen ! Ich wartete am verabredeten Treffpunkt auf mein Blind Date . Da erkannte ich einen Jungen mit einer dicken Hornbrille in das besagte Buch vertieft . "Hallo" , sprach ich ihn vorsichtig an . "Was !" Er schrak auf . "Ach so - du bist es ! Kannst du mir mal deinen Namen , Adresse und Telefonnummer geben ? Ich schreib mir das bei allen auf - das ist mein kleiner Tick ..." "Ich heiße Julie - das soll dir jetzt erst mal reichen - sonst können wir die Liste ja später noch vervollständigen . "Kann ich wenigstens den Anfangsbuchstaben deines Nachnamens haben - das ist alphabetisch geordnet !" "M !" "Danke !" Er schrieb wie wild , bis er auf einmal anfing zu niesen . Der hörte gar nicht mehr auf ... "Was ist denn ?" fragte ich . "Hier riecht irgendwas komisch - so nach - hatschi - nach Parfüm ! Ich bin gegen Parfüm allergisch ..." "Das wird wohl mein Parfüm sein ..." "Und das riecht auch noch so komisch !" Ich versuchte , meinen Zorn zu zügeln , indem ich bis 30 zählen und ihm dann erst eine klatschen wollte . Chris bemerkte meine etwas angespannte Haltung und sprang ausgerechnet in dem Moment dazwischen , als ich zur 30 kam . Ich konnte meine Hand nicht mehr abfangen und sie traf irrtümlicherweise Chris . Peter machte sich schnell aus dem Staub , Chris starrte mich nur mit leicht geöffnetem Mund an . "Ich ich wollte das nicht !" Er rieb sich die Wange . "Deine Aktion ist verständlich - nur es hat den Falschen getroffen ." Nun war ich diejenige , die verständnislos dreinblickte - er schien überhaupt nicht sauer zu sein , was in der Situation nur normal wäre . Ich begutachtete meine Auftreffstelle . "Das wird ein blauer Fleck , wenn wir nicht sofort was dagegen tun !" Ich zerrte ihn zu mir nach Hause und pinselte ihn vorsichtig mit so einer Creme ein . Jetzt hatte er eine sehr hübsche weiße Wange . "Kannst einem ja echt leid tun - willst mir helfen , und das ist der Dank dafür ..." "Ach wird schon wieder - ist doch bloß ein bißchen rot ..." Wir schwiegen uns an - bis jetzt hatte es immer ein Thema gegeben , um darüber zu reden ! "Laß uns den nächsten Brief durchlesen !" schlug diesmal Chris vor - ich hatte noch 3 ... Ich zog einen heraus und las :

5.

Hallo

Ich würde mich gerne mit dir treffen , denn ich denke , wir werden zusammen passen . Ich bin 17 und eines meiner Hobbys ist eislaufen . Wenn du willst , treffen wir uns um 19:00 Uhr

am 19. Mai in der Eislaufhalle !

Bis bald

Mirko

Irgendwann mußte man ja Glück haben - warum nicht jetzt ? Mit Chris im Schlepptau betrat ich dann am nächsten Tag die Eishalle ... Das Problem war , Chris hatte nicht so die Begabung zum Eislaufen - immerhin noch nicht ! Er stolperte bis zum Rand und setzte dann vorsichtig einen Fuß auf die Eisfläche . Leider konnte ich gegen seinen Ausrutscher nichts mehr tun , er klammerte sich aber netterweise an das einzige in seiner Nähe - also an mich ... Also wurde ich mit zu Boden gerissen und kichernd versuchten wir , wieder aufzustehen . "Bleib du mal besser da hinten !" Ich deutete auf das andere Ende der Eislaufhalle . "Und - wie soll ich da bitte hinkommen ?" Er schwankte leicht , schnappte nach meiner Jacke und gewann so wieder das Gleichgewicht . "Fahr einfach !" schlug ich vor , obwohl ich genau wußte , was dabei rauskommen würde ... Nach 3 Schritten (ja , er fuhr nicht , sondern ging vorsichtig übers Eis) landete er wieder unten . Ich wendete mich ab und suchte nach meiner Verabredung . Irgendwo müßte er doch sein , oder ? Direkt neben dem Eingang stand ein Junge , der mich auch schon ansprach : "Hast du so`n Mädchen gesehen ?" "Bin ich etwa kein Mädchen ?" "Ähhh - sicher doch ! Ich suche bloß ein anderes Mädchen ?" "Wen suchst du denn ?" "Wart mal - ich glaub die hieß ..." Er kramte in seinen Taschen und entdeckte letztendlich einen zerknüllten Zettel . "Julie - ach so hieß die !" "Und warum suchst du sie ?" "Weißt du , ich liebe so kleine naive Mädchen , da macht es so richtig Spaß , sie zu knacken !" "Ach so - du wolltest sie also nur für deinen Spaß haben ?!" "Nicht nur ! Hast du sie jetzt gesehen oder nicht ?" "Nein - ich glaube , ich habe sie nicht gesehen . Aber du hast schon die Richtige gefunden ..." "Was willst du von mir ?" "Für völlige Idioten : Ich bin Julie !" Vollkommen perplex starrte er mich an , so daß ich mich schon fragte , ob ich mich wohl in ein Alien verwandelt hätte . In dem Moment kam Chris angerast und warnte uns noch schnell : "Vorsicht - ich kann nicht stoppen !" Er fuhr Mirko über den Haufen , dieser erhob sich schimpfend wieder : "Du Idiot , Hohlbirne ! Hast du ne Schraube locker? Komm her , wenn du was willst, Freundchen !" Und zu mir : "Solche Verrückten sollte man gar nicht erst aus dem Irrenhaus lassen !" Diesmal half kein zählen , ich reagierte zwar voreilig, aber richtig - er hatte eine Backpfeife sitzen. "Was sollte das denn jetzt ?" "So’n Arschloch wie dich brauch ich nicht - so tief bin ich noch nicht gesunken ! Das war gerade mein Kumpel !" "Und was geht mich das an ?" Wutschnaubend verließ ich die Eisfläche - Chris torkelte hinterher . "Was sollte das gerade werden ?" "Ich war so sauer - und du warst gerade nicht in der Nähe zum Abfangen meines Schlages ..." Er grinste mich an : "Na , du hast ja noch 2 Versuche!"

6.

Hi !

Gerade hab ich deine Annonce gelesen und war völlig hin und weg -

könnten uns ja mal treffen ! Ich würde mich auf jeden Fall drüber freuen .

Wenn du genauso denkst , können wir uns ja im ‘Schuppen’ am 20.6 so

gegen 20:00 auf ein Glas Cola treffen !

P.S.: Ich bin der D.J. der Veranstaltung !

Ciao

Pete

Mit guten Vorsätzen und mit meinen neusten Klamotten stiefelte ich also , recht gutgelaunt mit Chris auf die Party. Ich würde ihn einfach für meinen Bruder ausgeben ... Drinnen setzte ich mich an die Theke, die ich durchs Blitzlicht gerade noch erkennen konnte und wartete. Um mich blickend versuchte ich die Musicbox auszumachen, wo er ja logischerweise rumhängen müßte. Endlich erkannte ich etwas im gelb-roten Licht und ging darauf zu. Die Musik war ohrenbetäubend, meine Trommelfelle drohten zu platzen ! Scheinbar hatte ich ihn aber gefunden, denn ein junger Mann smilte mich an. "Du mußt Julie sein !" Hey - der erkannte mich sogar ! Ach , kein Wunder, ich hatte ja auch meine Namenskette um ... Trotzdem schien er netter zu sein als seine Vorgänger ! "Könntest du die Musik etwas leiser machen - oder laß uns doch an die Bar gehen !" schrie ich ihm entgegen. Ich war mir nicht sicher, ob er etwas davon mitbekommen hatte, aber er setzte sich in Bewegung und ging auf mich zu. Er hatte also doch was gehört - wir verdrückten uns an die Bar und er bestellte mir eine Cola, wie versprochen ! Nach 3 Colas (die irgendwie komisch schmeckten) drehte sich irgendwie alles - ich war wie in Trance . Das nächste, was ich spürte , war seine Zunge in meinem Mund und das er mich irgendwo hin schleppte. Erst auf dem Klo kam ich wieder zu mir, er stand vor mir und fuchtelte mit seiner Zunge in meinem Mund herum. Ich wich nach hinten aus - aber da war leider eine Wand ! "Ach komm, du willst es doch auch !" redete er auf mich ein und kam schon wieder näher. Leider kapierte ich, was er meinte und ich wollte es mit Sicherheit nicht ! Gerade als ich nach Chris rufen wollte, wurde das auch schon wieder durch Pete verhindert. Endlich konnte ich zur Seite ausweichen, Richtung Tür laufen und dort um Hilfe schreien: "Chris !" Als hätte er nur darauf gewartet, stürmte er in Sylvester Stallone Manier herein und fixierte Pete. Der war bereits wieder hinter mir und hielt mich fest - Chris schlug (das hätte ich ihm echt nicht zugetraut) ihm mit der Faust ins Gesicht, ich wurde befreit und fiel in Chris’ Arme. Dort wurde ich erst mal ohnmächtig - wahrscheinlich von dieser Cola, denn wie ich später herausfand, war sie mit Exctasy gestreckt. Er schleppte mich scheinbar nach Hause. Natürlich nicht zu mir nach Hause - das ging ja nicht, was hätte wohl meine Mutter gesagt , wenn sie ihre völlig dichte Tochter mit den Worten abgeliefert bekam : "Ich kann nichts dafür !" Ich wurde, da seine Eltern ja zum Glück immer noch nicht da waren, in sein Bett verfrachtet - er legte sich freiwillig aufs Sofa ... Ich schlief bis in die frühen Morgenstunden ! Dann erwachte ich mit höllischen Kopfschmerzen, so daß ich nicht mehr herausbekam, als: "Kann ich was zu trinken haben - und wo bin ich ?" Besorgt dreinschauend reichte er mir eine normale Cola, und erklärte mir, daß ich bei ihm sei. Wenn es mir besser gehen würde, sollte ich rübergehen und erklären, ich hätte bei meiner Freundin geschlafen - dann würde das schon wieder ! Nie wieder würde ich mich auf ein Blind Date einlassen - auf jeden Fall nicht freiwillig ! Die letzte Erfahrung hatte mir gereicht ... Aber Chris drängte mich , auch noch den letzten Versuch zu wagen : Alle guten Dinge seien 5 !

7.

Hi !

Ich fand den Brief echt voll toll , denn es kam mir vor , als würde

ich dich schon mein Leben lang kennen . Vielleicht fühlst du ja auch

so und denkst in mir deinen Traumprinzen gefunden zu haben ... Ich

würd mich freuen ! Also : am 21.6. um 20:00 zur Spätvorstellung von

‘Romeo und Julia’ im Cinemaxx .

Bis dann

Anonymus

"Einen Versuch ist es wert - hört sich doch ganz gut an !" munterte ich mich selber wieder auf und versuchte , meine Kopfschmerzen mit Aspirin zu betäuben . Chris grinste schelmisch . Am nächsten Tag hatte ich mich mit Chris um 19:50 vor dem Kino verabredet - ich wartete bis 20:05 , aber er kam nicht ! Auf Jungen konnte man sich nicht verlassen - nicht mals auf Chris ! Ich stöhnte und betrat dann den verlassenen Kinosaal - da saß nur ein Leut herum . Das mußte er sein . Ich würde es ja noch rausfinden und setzte mich erst mal nach ganz hinten . Weiter vorne tat sich nichts und nach 5 Minuten Warten wurde es mir zuviel . Mit langsamen Schritten , einem heftig klopfendem Herzen und zitternden Knien kam ich vorne an . Ich setzte mich neben ihn und starrte wie gebannt die Leinwand an . Irgend etwas streifte meinen Nacken und ich drehte mich vorsichtig zur anderen Seite - es war eine Hand ... Ich wußte immer noch nicht , neben wem ich saß , aber dieser jemand hatte scheinbar seinen Arm um mich gelegt . Vorsichtig linste ich zur Seite . Plötzlich schoß eine Hand nach vorne und zog mich nach vorne - wahrscheinlich wieder so’n Reinfall ... ich hatte schon wieder keine Chance zu entkommen ! Mit geschlossenen Augen ließ ich es über mich ergehen - aber so schlimm war das gar nicht ... auf jeden Fall um vieles zärtlicher als mein letzter Reinfall. Ich zählte bis 3 und öffnete vorsichtig die Augen - mir entfuhr ein Schrei - er blickte mich geschockt an. Es war Chris ! Was hatte der denn hier zu suchen ? OK - er hatte hier was zu suchen ! Als mein Beschützer ... aber doch nicht als ... "Ich hab den Brief geschrieben !" klärte er alles auf. Auf einmal wurde alles logisch - sein Fastselbstmord und die Brutalität, mit der er meinen letzten Verehrer vermöbelt hatte ! Ich konnte es nicht fassen - warum hatte ich es nicht gemerkt ? Sicher ich fand ihn süß - aber ich hatte nie gewußt, daß er wie ich dachte ! Wir mußten ein tolles Bild abgeben ... er schien auf jeden Fall verunsichert und dachte wohl, daß ich jetzt sauer sein würde oder so ! Mußte ich schnell ändern. Tat ich auch - diesmal war ich es, die die Initiative ergriff ... Endlich hatte ich meinen Traumprinzen gefunden - und eigentlich hatte ich ihn schon viel früher gefunden ...

Warum nach Fernem streben, wenn doch das Gute liegt so nah ?

© by Annemarie Wach

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01.11.99