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Waldesträume

Kurzgeschichte für Kinder von Christina Telker

„Biene kommst du mit, zu den sieben Brüdern?" rief Petra ihrer Freundin zu. „Jetzt leider nicht, Mutti will mit mir zur Stadt. Heute Nachmittag sind wir wieder zurück, dann können wir beide hingehen." 

„Sieben Brüder?" überlegte Alf, der gerade die laute Verabredung der beiden Mädchen gehört hatte. Alf war erst seit ein paar Tagen in der Gegend bei seinem Onkel Willi zu Besuch. „Sieben Jungen, das müssten prima Spielkameraden sein", dachte er. „Petra", rief Alf ihr nun zu: „wo wohnen denn die Jungen?" „Welche Jungen?" frug Petra zurück und kam näher. „Du hast doch eben zu Biene gesagt, ihr wollt zu den sieben Brüdern gehen. Ich habe hier noch gar keinen Freund zum spielen gefunden." Oh, wie musste Petra lachen, hatte sie doch nie daran gedacht, dass jemand bei ihren sieben Brüdern an Jungen denken konnte. „Da irrst du dich aber tüchtig. Unsere sieben Brüder sind Bäume, ganz besondere Bäume. Gerne kannst du am Nachmittag mitkommen." „Natürlich komme ich mit, du hast mich neugierig gemacht", meinte Alf sofort. 

Schnell vergingen die Stunden und die drei Kinder zogen gemeinsam los zu ihren sieben Brüdern. „Hörst du es rascheln? Vielleicht ist es ein Igel", machte Biene ihre Freunde aufmerksam. „Vielleicht ist es auch ein Vogel", überlegte Alf. Vorsichtig schlichen sich die Kinder näher. Biene hatte recht gehabt, ein kleiner Igel schaute die Kinder ängstlich an, bevor er sich zur Stachelkugel zusammenrollte. So kamen sie ihrem Ziel immer näher, bis Petra endlich rief: "Alf, schau, der große Baum dort das sind unsere sieben Brüder. Wenn du ihn dir nachher genau ansiehst, stellst du fest, dass es sieben Bäume sind, die aus einer Wurzel wachsen." „Das ist ja ein riesiger Baum", stellte Alf fest. Als die Kinder bei ihrem Baum ankamen, meinte Biene „Guten Morgen, wir haben dir heute unseren Freund Alf mitgebracht. Er wollte dich kennen lernen." „Mit wem redest du?", frug Alf erstaunt. 

Da antwortete auch schon der längste und dickste Stamm der Sieben „Das ist recht von euch, wenn ihr gute Freunde mitbringt haben wir nichts dagegen. Nur Kinder die unsere Rinde zerstören und unsere Blätter abreißen wollen wir nicht sehen." „Solche Kinder sind auch nicht unsere Freunde", antwortete Petra sogleich. „Wir sind schon alt, sehr alt, über hundert Jahre und haben schon viel gesehen. Vor vielen, vielen Jahren führte eine Straße durch den Wald. Ab und zu kam eine Pferdekutsche, meistens aber Wanderer des Weges. Jetzt kommt nur noch selten ein Mensch hier vorbei, dafür fühlen sich jedoch die Tiere jetzt in unserem Schutz wohl." „Wisst ihr noch", meldete sich nun der Kleinste der Sieben zu Wort: „als bei uns ein kleines Rehkitz geboren wurde und aufwuchs, als es anfing zu laufen und tolle Sprünge zu vollführen. War das niedlich! Ich denke noch oft daran." „Nicht zu vergessen Trix und Troll, die in unseren Zweigen wohnen." „Dann musst du aber auch an die kleinen Blaumeisen denken, die in jedem Jahr bei uns das Fliegen lernen", knarrte jetzt der vierte der Brüder. „Viele kleine Tiere leben unter unserer Rinde.", erzählte ein weiterer der Sieben. „Ich hätte nie gedacht, dass Bäume so interessant sein können.", staunte Alf. Die Kinder hatten sich im Moos niedergelassen und hörten all den spannenden Geschichten zu, die die Bäume zu erzählen hatten. „Nun wird es aber Zeit nach Hause zu gehen!", mahnte Biene. „Kann ich morgen wieder mitkommen?", fragte Alf. „Natürlich, zu dritt ist es noch viel schöner.", antworteten die beiden Mädchen wie aus einem Mund. Fröhlich gingen die Drei nach Hause und freuten sich auf den kommenden Tag.


© by Christina Telker

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26.05.02