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Tanz mit mir

Fünf Gedichte von Dirk Wohnhoefer

Masken

schlaf schön

Papiermonnd

Tanz mit mir

es ist anders

Masken

ein Gedanke, und dein Geist schreit auf
denn schon wieder eine Lüge
folgt dem schon ausgewaschnen Lauf
der Gedanke, daß ich dich betrüge?

nun, für dich scheint es normal zu sein
alle Gefühle zu verstecken
du läßt niemand in deine Welt ein
könnt' leichter die Finger nach den Sternen strecken

ich trage meine Masken, du trägst deine
um dich vor dir selbst zu schützen
manchmal wünscht' ich, wir trügen keine
würden mal die Lüge der Wahrheit nützen

du weißt, die Menschen retten sich vor der Welt
indem sie hinter ihren Gedanken bleiben
doch nicht jede Lüge verspricht, was Wahrheit hält
ich kann den Wert dieser Maske zwischen den Fingern zerreiben

du weißt, du trägst keinen Heiligenschein
und du fällst nicht wie fast jedermann
auf deinen Selbstbetrug herein
lügst dich nicht bloß selber an

ich trage meine Masken, du trägst deine
um dich vor der Welt zu schützen
manchmal wünscht' ich, wir trügen keine
würden nicht nur Unwahrheiten nützen

wenigstens bist du dir deiner Lügen bewußt
und weißt mit den Folgen zu leben
und was kümmert mich schon dein Verlust?
wenn du lieber nimmst anstatt zu geben

ich seh' hinter dich, seh' dein Gesicht
und ich weiß mit dir umzugehen
doch ich bin nicht dein Gericht
vor mir brauchst du dir nichts einzugestehen

ich trage meine Masken, du trägst deine
um dich vor dir selbst zu schützen
manchmal wünscht' ich, wir trügen keine
würden nicht die Leichtigkeit der Lüge nützen

drum halt' deine Maske ewig fest
sonst könntest du dich ja im Spiegel sehen
weil dich auf diese Weise deine Lüge nie verläßt
doch dich selbst wirst du so nie verstehen

aber für mich ist's eh zu spät
weil ich andre mit meinen Gedanken belaste
denn ist meine ganze Moralität
nicht vielleicht auch nur eine Maske?

du trägst deine Masken, ich trage meine
um mich vor mir selbst zu schützen
manchmal wünscht' ich, ich trüge deine
denn was kann mir schon die Wahrheit nützen?

schlaf schön

deine Augen starren ins Leere
vielleicht schließen sich Tränen an
nur, daß ich mich dagegen wehre
und dein Körper das nicht mehr kann

so wie dein Mund niemals mehr lacht
oder deine Hand mich zärtlich faßt
wieso haben wir nicht mehr Zeit miteinander verbracht?
wieso lebten wir mit solcher Hast?

dein süßer Mund steht ganz leicht offen
obwohl du nicht mehr atmen wirst
und ebenfalls nicht darauf hoffen
daß du dein Leben nicht verlierst

ganz so, als wenn du traurig bist
sind deine Mundwinkel verzerrt
ich hab dein Lächeln so vermißt
dein toter Leib ist so verkehrt

darf ich noch mal deine Finger spüren?
sie sind so unerwartet kalt
ich hoffe, man wird dich ins Warme führen
und vielleicht komme ich ja bald?

sei nur noch einmal hier bei mir
so wie du es immer warst
und ich bin ewig hier bei dir
wie du auf deinem Bett verharrst

ich werde nun deine Augen schließen
denn du brauchst sie jetzt nicht mehr
endlich spür ich die Tränen fließen
gegen die ich mich nicht mehr wehr

denn irgendwann wird dein Körper verweht
doch ich schwöre, ich vergess dich nie
für Liebe ist es jetzt zu spät
und alles, was bleibt, ist weiße Magie

Papiermond

bin ganz aufgeweicht von Tränen
wie mein Papiermond weggespült
hab wohl vergessen zu erwähnen
daß Liebe mein kleines Herz zerwühlt

weil Schuldgefühle mich zernagen
von unsrer Hitze blieb nur noch Rauch
hab wohl vergessen dir zu sagen
wie sehr ich dich noch brauch

Papiermond kannt' einst keine Reue
doch ist jetzt ganz aufgeweicht
von den Tränen trotz der Treue
von Gewohnheit ausgebleicht

kann mich jetzt nicht mehr zu dir neigen
kann mich dir nicht mehr nahen
hab wohl vergessen dir zu zeigen
daß meine Augen nur dich sahen

ich dacht' ich würd gar nichts tun müssen
auch als du um mich bangtest
hab wohl vergessen dich zu küssen
als du nach meiner Nähe verlangtest

Papiermond kannt' einst keine Falschheit
doch ist jetzt ganz aufgeweicht
von Tränen und zuviel "tut mir leid"
von Gewohnheit ausgebleicht

der Traum, den wir uns ausmalten
verschwand, als du mich wecktest
hab wohl vergessen dich zu halten
als du deine hand nach mir strecktest

ich hatt nicht vor dich zu verletzen
doch diese Chance hab' ich verpaßt
hab wohl vergessen dich zu schätzen
als du an dir selbst gezweifelt hast

Papiermond kannt' einst keine Angst
doch ist jetzt ganz aufgeweicht
weil du nicht mehr nach mir verlangst
bin von Gewohnheit ausgebleicht

jetzt werd' ich von meinem Kummer zerfressen
und ich sterbe vor Verdruß
hab wohl vergessen dich zu vergessen
als du sagtest, es sei Schluß

tanz mit mir

ich hab geträumt von dir heut Nacht
ein Traum, heller als die Wirklichkeit
er hat mich in deine Arme gebracht
und gleichzeitig nahm er die Zeit

du warst der Mond, so weiß wie Schnee
verspielt im Tanz und ausgelassen
du spiegeltest dich auf der See
und ich wagte nicht, dich anzufassen

ich war ein Fisch, schlank und gewandt
gefangen in den Wassermassen
du warst so schön, so unbekannt
und ich wagte nicht, dich anzufassen

du warst der Mond, am falschen Ort
doch du warst mein Geleit
und wir tanzten immerfort
bis in die Ewigkeit

es ist anders


irgenwie sieht alles anders aus
von hier, es ist düster
ahnte ich es doch voraus
ein Schrei ist hier nur mehr Geflüster

ich wollte noch so viele Dinge tun
dich ich jetzt nie mehr machen werde
mein Körper kann für immer ruhn
über mir liegt schon die Erde

seltsam, aber ich kann noch denken
ich kann immer noch fühlen
doch ich kann dir nichts mehr schenken
kann bloß noch in Erinnerungen wühlen

könnte ich doch noch immer lieben
sähe ich vor mir dein Gesicht
könnte ich doch Zeit und Raum verbiegen
doch ich kann es leider nicht

ich denke ich bin für dich gegangen
ich habe das alles für dich getan
ich war in einem Netz aus Liebe gefangen
aber gib dir nicht die Schuld daran

es ist hier schwarz, so weit ich blicke
ist das der Spiegel meiner Seele?
wie ich mich in meinem Kummer verstricke
wie ich mich mit Gedanken an dich quäle

ich hätte wohl niemals gehen sollen
ich kann dich von hier an meinem Grabe sehen
deine Augen sind vom Weinen verquollen
ich wünschte, das alles wäre nie geschehn

von hier kann ich dir keinen Trost mehr spenden
aber ich würde dich so gern in die Arme nehmen
doch ich kann meinen Körper nicht mehr verwenden
ich sehe nur deine süßen Tränen

wie gern würde ich jetzt noch bei dir sein
dir all die schönen Dinge sagen
doch ich schätze, du bist von jetzt allein
mußt deine Sorgen selber tragen

bei mir hier oben ist nichts mehr wirklich
aber unten bei dir kommt alles wieder ins Lot
ach wär ich doch verliebt in dich
und noch nicht tot

Alle Gedichte (c) by Dirk Wonhoefer

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14.01.2001